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Pressemitteilung

Konjunkturumfrage der sächsischen IHKs im Herbst 2020: Sächsische Wirtschaft kämpft sich mühsam aus

Nummer: 36 | 20.10.2020

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie halten große Teile der sächsischen Wirtschaft weiterhin fest im Griff. Die konjunkturelle Talsohle nach dem Lockdown im Frühjahr ist aber durchschritten. Der IHK-Geschäftsklimaindex der sächsischen Wirtschaft, der im Frühjahr auf 77 Punkte abgestürzt war, erreicht nunmehr 103 Punkte. Dazu tragen sowohl deutlich bessere Lagebeurteilungen als auch gestiegene Geschäftserwartungen bei. Dennoch ist das Ergebnis weit vom Vorjahresniveau entfernt, die Verunsicherung der Unternehmen nach wie vor groß und die Situation in den einzelnen Wirtschaftsbereichen sehr unterschiedlich. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Konjunkturumfrage der sächsischen Industrie- und Handelskammern, an der sich im September (1.09. bis 25.09.2020) dieses Jahres 1.857 Unternehmen aus Industrie, Baugewerbe, Einzel- und Großhandel, Dienstleistungen, Verkehr sowie Gast- und Tourismusgewerbe mit insgesamt mehr als 101.000 Beschäftigten beteiligt haben.

IHK Geschäftsklimaindex

Nachdem die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie im Frühjahr zu einem massiven Einbruch der Lageeinschätzungen führten, stehen die Zeichen mit der Lockerung der Corona-Maßnahmen wieder auf Erholung. So beurteilen inzwischen 40 Prozent der sächsischen Unternehmen ihre derzeitige Geschäftslage als gut und nur noch 22 Prozent als schlecht. Der Saldo klettert von -4 auf +18 Punkte. Das Vorjahresniveau von +43 Punkten liegt aber noch weit entfernt. In allen befragten Wirtschaftsbereichen, mit Ausnahme des weiterhin stark betroffenen Gast- und Tourismusgewerbes, bewegen sich die Lageeinschätzungen wieder im positiven Bereich.

Auch die Geschäftserwartungen haben sich seit dem Corona-Schock im Frühjahr aufgehellt. Die Zuversicht kehrt langsam zurück. Immer noch rechnen aber mehr Unternehmen mit einer schlechteren als mit einer besseren Geschäftsentwicklung in den kommenden Monaten. Die Geschäftsaussichten liegen mit -10 Punkten weiter im negativen Bereich. Die Unsicherheit mit Blick auf das anhaltende Pandemiegeschehen bleibt groß. Die zweite Infektionswelle in Deutschland, aber auch in den europäischen Partnerländern, kann die Erholung erheblich gefährden.

Investitionen, Beschäftigung, Risiken

Die Investitionsplanungen der sächsischen Unternehmen, im Frühjahr kurzfristig stark nach unten korrigiert, ziehen mit der konjunkturellen Aufwärtsbewegung zwar wieder etwas an. Insgesamt überwiegt aber auch sechs Monate nach dem wirtschaftlichen Lockdown eher die Investitionszurückhaltung. 17 Prozent wollen ihre Investitionsausgaben wieder erhöhen, jede vierte Firma fährt jedoch aufgrund der bestehenden Risiken Investitionen zurück. Mit einem Saldo von -8 Punkten wird das Ergebnis von Jahresbeginn (+2) immer noch deutlich verfehlt.

Auch am Arbeitsmarkt sind die Auswirkungen der Corona-Krise inzwischen spürbar: Trotz vielfach genutzter Kurzarbeit stiegen zuletzt die Arbeitslosenzahlen in Sachsen stark an. Die Personalnachfrage der Unternehmen, die nach dem Lockdown im Frühjahr stark zurückgegangen war, zeigt nun wieder moderate Erholungstendenzen an. So planen für die kommenden Monate 14 Prozent der Betriebe eine Aufstockung und 19 Prozent eine Reduzierung ihrer Mitarbeiterzahl. Der Saldo verbessert sich damit immerhin von -24 im Frühjahr auf -5 Punkte.

Die Corona-Pandemie und ihr weiterer Verlauf ist derzeit Risikofaktor Nummer eins. Daneben führt die Entwicklung der Inlandsnachfrage das Risikoradar der Unternehmen mit 55 Prozent an, gefolgt vom Fachkräftemangel und den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit jeweils 42 Prozent.

Die Branchen

Vom wirtschaftlichen Lockdown im Frühjahr 2020 waren die einzelnen Wirtschaftsbereiche unterschiedlich stark betroffen. Dies setzt sich in der aktuellen wirtschaftlichen Erholungsphase fort.

In der Industrie wirken insbesondere die bereits vor Corona bestehenden strukturellen Probleme im Automobil- und Zuliefersektor weiter wachstumshemmend. Die Lagebewertung verbessert sich im Vergleich zum Frühjahr nur um 11 auf +3 Punkte. Auch die Geschäftsaussichten verbessern sich zwar, verharren mit -7 Punkten aber weiter im negativen Bereich. Neben strukturellen Problemen belastet nach wie vor die schwache Auslandsnachfrage in Folge der Pandemie und der nach wie vor existierenden Handelskonflikte die wirtschaftliche Erholung. Ebenso sorgt das Brexit-Chaos für große Verunsicherung.

Trotz rückläufiger Auftragseingänge verlief die Geschäftsentwicklung im Baugewerbe aufgrund des hohen Auftragsbestandes überwiegend positiv. Der Saldo der Geschäftslage steigt um 21 auf 55 Punkte und bildet nach wie vor den mit Abstand besten Wert aller befragten Wirtschaftsbereiche. Die Aussichten sind mit -20 Punkten jedoch gedämpft: Aufgrund der insgesamt gesunkenen Investitionsbereitschaft rechnet die Branche mit weniger Auftragseingängen im öffentlichen und gewerblichen Bereich.

Im Dienstleistungsgewerbe ist insgesamt ein Aufschwung erkennbar. Der Saldo erhöht sich um 20 auf 31 Punkte. Auch die Zuversicht unter den Dienstleistern steigt wieder, von -25 Punkten im Frühjahr auf nunmehr -2 Punkte. Vom früheren Optimismus sind die Unternehmen aber weit entfernt. Zudem greift der Aufschwung nicht auf alle Dienstleistungssparten über: Insbesondere veranstaltungsbezogene Dienstleister und die Kreativwirtschaft sind durch die Corona-Einschränkungen in ihrer Tätigkeit extrem stark behindert.

Aufwärts ging es in den vergangenen Monaten im Handel. Im Einzelhandel hat sich nach dem Absturz im Frühjahr die Lage am deutlichsten verbessert. Die Lagebewertung steigt per Saldo von -13 auf +35 Punkte. Im Großhandel legte die Lage etwas weniger dynamisch um 16 Punkte zu. Auch die Prognosen verbessern sich sowohl im Einzel- als auch im Großhandel deutlich, sie liegen mit -3 Punkten bereits wieder auf Vor-Corona-Niveau.

Auch im Verkehrsgewerbe ist die Lage besser als im Frühjahr. Der Saldo steigt um 18 auf +8 Punkte. Weiterhin belasten aber Reisebeschränkungen den Personenverkehr, im Güterverkehr machen sich der Industrieeinbruch sowie der gesunkene internationale Warenverkehr bemerkbar. Entsprechend skeptisch fallen mit -21 Punkten die Erwartungen aus.

Mit Abstand am schlechtesten bleibt die Lage im Gast- und Tourismusgewerbe. Der Lagesaldo "klettert" von -92 Punkten im Frühjahr auf nun -34 Punkte. Über die Hälfte der Unternehmen meldet auch aktuell eine schlechte Geschäftslage. Erschwerend kommt hinzu, dass kurzfristig keine Verbesserung in Sicht ist: Die Aussichten liegen per Saldo bei -38 Punkten. Für viele Betriebe werden auch die nächsten Monate zum Überlebenskampf.

Ansprechpartner

Lars Fiehler
Telefon: 0351 2802-220
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