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Pressemitteilung

Konjunktur trübt sich weiter ein

Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage im Herbst 2019 für den Kammerbezirk Dresden

Nummer: 28 | 29.10.2019

Die Beurteilung der Geschäftslage der Unternehmen im IHK-Bezirk Dresden gibt gegen-über der Vorumfrage leicht nach. Eine "gute" Geschäftslage vermelden aktuell noch 54 % der Befragten (Frühjahr 55 %). Umgekehrt berichten 10 % von "schlechten" Geschäften (Frühjahr 8 %). Die Geschäftserwartungen der Wirtschaft werden hingegen zunehmend skeptischer. Bessere Geschäfte prognostizieren 10 % der Befragten (Frühjahr 19 %), 21 % rechnen mit einer ungünstigeren Entwicklung (Frühjahr 12 %). Im Ergebnis fällt der IHK-Geschäftsklimaindex deutlich um 13 auf 113 Punkte (Frühjahr 126), so das Fazit der Konjunkturumfrage der IHK Dresden im Herbst 2018, an der sich 620 Firmen aller Wirtschaftsbereiche mit rund 31.000 Beschäftigten beteiligten.

Die Branchen


Die Lageeinschätzungen in der Industrie rutschen besonders stark ab. Der Saldo aus guten und schlechten Meldungen sinkt im Vergleich zum Frühjahr um 20 Punkte, im Vergleich zum letzten Herbst halbiert er sich sogar auf 28 Punkte. Damit herrscht in der Industrie im Branchenvergleich die schlechteste Stimmung. Zurückzuführen ist dies auf weiter deutlich gesunkene Auftragseingänge, sowohl aus dem Inland wie aus dem Ausland. In der Folge sanken die Umsätze und die Auslastung der Produktionskapazitäten. Die Ertragsentwicklung war rückläufg und Personalaufbau fand so gut wie nicht mehr statt. Die Geschäftserwartungen sind ebenfalls negativ. Der Saldo sinkt auf -12 Punkte. Die Exportprognosen werden deutlich verhaltener eingeschätzt als noch im Frühjahr. Bei der Entwicklung der Umsätze und der Beschäftigtenzahl geht man per saldo sogar von einem Rückgang aus. Die Klimadiskussion und die unklare Entwicklung in der Automobilbranche und bei der Elektromobilität verunsichern die Industrie ebenso wie die ungelösten Probleme im Welthandel, die fortbestehenden Embargos, der Handelskrieg zwischen den USA und China, drohende Strafzölle und die endlose Diskussion über den Brexit.

Die Geschäftslage in der Bauwirtschaft ist weiter robust, sinkt jedoch im Vergleich zum Frühjahr. Mehr als zwei Drittel der Bauunternehmen empfnden ihre gegenwärtige Lage als gut, nur zwei Prozent als schlecht. Unter anderem durch erhöhte Rohstoffkosten verschlechterte sich die Ertragsentwicklung. Auch die Auslastung fiel etwas ab, wobei die Bauwirtschaft zuletzt an ihrer Kapazitätsgrenze arbeitete. Die Prognosen für die nächsten Monate sind, unter anderem saisonbedingt, schwächer. Noch fast drei Viertel sehen die Geschäftslage gleichbleibend, ein reichliches Fünftel rechnet jedoch mit einer Verschlechterung, nur 8 % gehen von einer Verbesserung aus.

Die Lageeinschätzungen im Handel sind nur geringfügig gesunken. Wie zuletzt beurteilt die Hälfte der Unternehmen die Lage als gut. 6 % sehen die Situation als schlecht an. Die Händler proftieren derzeit noch von der stabilen Arbeitsmarktlage und gestiegenen Einkommen, die gute Situation im Baugewerbe wirkt sich insbesondere auf die Umsätze im Großhandel aus. Im Jahresverlauf stiegen kontinuierlich die Umsätze, was jedoch nicht zu einer gesteigerten Ertragsentwicklung geführt hat. Im Gegenteil, deutlich mehr Händler berichten im Herbst von verschlechterten Erträgen. 32 % der befragten Händler verkaufen auch über digitale Vertriebswege. Dabei war per saldo kein nennenswerter Unterschied in der Entwicklung der Umsätze im stationären und im Onlinehandel festzustellen. Trotz des bevorstehenden Weihnachts- und Jahresendgeschäftes sinkt der Anteil der Händler mit verbesserten Geschäftsprognosen deutlich ab. Immerhin rechnen jedoch fast drei Viertel mit einer gleichbleibenden Situation. Der Erwartungssaldo schwächt sich damit ab und rutscht in den negativen Bereich. Dabei sind die Einzelhändler pessimistischer als die Großhändler. Ein Rückgang wird vor allem im stationären Geschäft erwartet, während im Onlinehandel Wachstumspotential gesehen wird.

Eine positive Entwicklung sorgt in der Dienstleistungswirtschaft für eine Verbesserung der Einschätzung der Geschäftslage im Vergleich zum Frühjahr. Die Dienstleister sind damit neben der Tourismuswirtschaft die einzige hier betrachtete Branche mit dieser aktuellen Tendenz. Fast zwei Drittel geben gute Geschäftslagemeldungen ab, die schlechten Meldungen sinken von 7 auf 4 %. Besonders gut ist die Stimmung in den Sparten Information und Kommunikation und Immobilienwirtschaft. Aber auch im Bereich Unternehmensservice sieht es gut aus. Trotz kaum steigender Auftragseingänge verbesserte sich bei 37 % die Umsatzsituation, nur ein reichliches Fünftel hatte Umsatzeinbußen zu verzeichnen. Das wirkte sich leider nicht positiv auf die Ertragsentwicklung aus. Nur knapp jeder zehnte erwartet eine Verbesserung der zukünftigen Geschäftslage. Der Anteil halbiert sich damit im Vergleich zum Frühjahr, wohingegen sich der Anteil mit schlechteren Zukunftsaussichten mit knapp einem Fünftel mehr als verdoppelt. 72 % glauben an eine gleichbleibende Lage. Hier gibt es keinen großen Unterschied zu den Befragungen der letzten zwei Jahre. Dabei werden die Umsätze per saldo weiter steigen, nur nicht mehr so sehr wie in der Vergangenheit. Mit Blick auf die konjunkturelle Entwicklung, besonders in der Industrie und vor allem im Bereich der Automobilwirtschaft, fürchten viele eine stagnierende oder sinkende Inlandsnachfrage.

Die Lageeinschätzungen im Verkehrsgewerbe gehen seit dem Höchststand im vergangenen Herbst kontinuierlich zurück. Nicht einmal die Hälfte der Unternehmen spricht von eine guten Geschäftslage. Dabei ist die Stimmung im Güterverkehr besonders schlecht, im Personenverkehr ist sie deutlich besser. Aufträge, Umsätze und Erträge der Gesamtbranche sanken gleichermaßen stark ab. Pessimistisch werden auch die Geschäftsprognosen eingeschätzt. Zwar rechnen noch 71 % mit einer gleichbleibenden Geschäftslage aber nur 7 % glauben an eine Verbesserung, wohingegen sich die Zahl derer, die mit einer weiteren Verschlechterung rechnen, deutlich auf 22 % erhöht. Im Branchenvergleich am pessimistischsten sind die Personalplanungen. Fast jedes vierte Unternehmen der Verkehrsbranche plant mit einer abnehmenden Mitarbeiterzahl, nur jedes zehnte mit einer Zunahme im Personalbereich. Besonders betroffen von dieser Entwicklung wird die Sparte Lagerei/Verkehrsdienstleistungen sein. Neben den Kraftstoffpreisen bereiten im Güterverkehr die Auftragslage in der Autoindustrie, die Mautkosten, die Belastung durch CO2-Abgaben und die Klimadiskussion Sorgen.

Ein Sommer der Superlative Teil 2 nach dem Supersommer im Jahr 2018 sorgen für gute Stimmung in der sächsischen Tourismuswirtschaft. So sind 56 % der Unternehmen mit der aktuellen Geschäftslage zufrieden. Lediglich 7 % der Betriebe im Gast- und Reisegewerbe sprechen von einer schlechten Geschäftsentwicklung. Träger der anhaltenden positiven Entwicklung ist besonders das Gaststätten- und Hotelgewerbe. Die Unternehmen bewerten die Geschäftslage mit 64 % und 56 % als gut. Ebenso erfreulich ist die gleichbleibende Umsatzerwartung in der Gastronomie mit 93 % und mit 71 % in der Beherbergung. Bei den Reiseveranstaltern und -büros sehen 23 % der Unternehmen schlechtere Geschäfte auf sich zukommen. Auswirkungen der globalen Handelskonflikte, politische Unruhen sowie Insolvenzen, Veränderungen im Streckennetz von Flug und Bahn unterstreichen die Unzufriedenheit. Der Ausblick auf die bevorstehende Wintersaison ist gewohnt verhalten. Lediglich 3 % sehen in den nächsten 12 Monaten eine Verbesserung der Geschäftslage. Fachkräftemangel, Arbeitskosten und Energiepreise sind die häufgsten Risiken. Der Investitionsstau macht sich in der Branche bemerkbar, die Unternehmen laufen Gefahr den Rückstand nicht mehr aufholen zu können.

Investition und Beschäftigung

Das Investitionsengagement der Wirtschaft im Kammerbezirk schwächt sich - nach Rückgang zu Jahresbeginn und Stagnation im Frühjahr - wieder ab. 23 % der Befragten gaben an, ihre Investionen in den kommenden 12 Monaten auszuweiten (Frühjahr 27 %). Die Zurückhaltung betrifft alle Branchen, besonders aber den Handel. Hauptinvestitionsmotiv ist mit großem Abstand die Beschaffung von notwendigem Ersatz (64 %). Es folgen Investitionen in kostensenkende Rationalisierungsmaßnahmen mit 35 % und Kapazitätserweiterungen mit 29 %.

Der langjährige Zuwachs der Beschäftigtenzahl stagniert derzeit und dürfte binnen Jahresfrist in eine leichte Verringerung umschlagen. 16 % der Unternehmen planen in diesem zeitraum ihre Belegschaften auszuweiten, 21 % gehen von einer Reduzierung aus. Saisonbedingt betrifft dies in besonderem Maße das Gastgewerbe/Tourismus und die Bauunternehmen, aber auch das Verkehrsgewerbe und die Industrie planen Stellenabbau. Lediglich im Dienstleistungsgewerbe und im Handel sind weitere Beschäftigungszuwächse zu erwarten, auch wenn diese geringer als in der Vergangenheit ausfallen werden.

Risikoradar

Meistgenanntes Geschäftsrisiko ist mit aktuell 64 % der Fachkräftemangel. Der Wert bleibt seit der Frühjahrsumfrage unverändert. Es folgen die Arbeitskosten mit 49 % der Nennungen und die Inlandsnachfrage mit rund 40 %. Prozentual die höchsten Zuwächse in der Risikobewertung gegenüber dem Frühjahr sind bei den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und den Kraftstoffpreisen zu verzeichnen.

Ansprechpartner

Lars Fiehler
Telefon: 0351 2802-220
docID: D102923