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Pressemitteilung

IWH-Studie verkennt wichtige Zusammenhänge

Ländliche Räume in Sachsen tragen maßgeblich zur Wertschöpfung bei

Nummer: 06 | 06.03.2019

Dr. Detlef Hamann, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Dresden, äußert sich zur aktuelle Studie des IWH:

"Die zentralen Schlussfolgerungen der am Montag vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) vorgestellten Studie zur Bilanz nach drei Jahrzehnten deutscher Einheit teile ich ausdrücklich nicht.

Dass sich staatliche Förderung vor allem auf Städte - in Sachsen wären das dann die Ballungsräume Dresden, Leipzig und Chemnitz - fokussieren, und ländliche Räume vor allem große Naturschutzgebiete werden sollen, mag unter ganz bestimmten volkswirtschaftlichen Kennzahlen betrachtet sinnvoll erscheinen. An der Lebenswirklichkeit in den Regionen geht die Analyse allerdings vorbei. Wenn wir uns die Statistiken des verarbeitenden Gewerbes anschauen und die Umsätze von Dresden, Chemnitz und Leipzig herausrechnen, wird ganz klar deutlich, wo 75 Prozent der industriellen Wertschöpfung in Sachsen stattfinden: im ländlichen Raum, wo laut IWH nun keine Förderung mehr stattfinden soll.

Dass unsere Unternehmensstruktur in Sachsen - wie überall in den neuen Bundesländern - kleinteilig ausfällt, kann auch uns als IHK nicht zufriedenstellen. Dies hat aber auch historische Gründe in der Entwicklung vor und nach 1990, deren Folge es heute ist, dass wir vor allem Zulieferbetriebe und zu wenig Endproduzenten haben. Zulieferer haben allerdings weitaus weniger Handlungsspielraum als Endproduzenten, die ihnen die Preise diktieren. Bei quasi gedeckelten Preisen sowie einem bestimmten Arbeitseinsatz kommt dann eben der vermeintlich niedrigere Produktivitätsfaktor zustande. Eine wissenschaftliche Bewertung, die rein auf Kennwerte wie BIP und Produktivität schaut, verkennt aber solche Zusammenhänge.

In meinen Augen ist es die Aufgabe der politisch Handelnden, gerade nicht in die alte Leuchtturmpolitik zu verfallen, sondern Wirtschaft und Leben wieder in der Breite zu stärken. Das ist man nicht nur den gut und hart arbeitenden Unternehmen und Menschen in den Regionen schuldig, das ist auch der richtige Weg für den gesamten Wirtschaftsstandort. Denn wenn wir in den ländlichen Räumen einen selbstverstärkenden Prozess aus Abwanderung, Geburtenrückgang und wirtschaftlicher Stagnation zulassen, überhitzen wir auch Städte wie Dresden oder Leipzig, die infrastrukturell teilweise schon heute an die Grenzen des verkraftbaren Zuzugs kommen. Das würde letztlich auch die Schlussfolgerungen des IWH ad absurdum führen. Von den politischen Dimensionen einer solchen Entscheidung will ich da gar nicht sprechen, aber auch diese hätten natürlich einen Einfluss auf den gesamten sächsischen Standort."

Ansprechpartner

Lars Fiehler
Telefon: 0351 2802-220
docID: D101306