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Verbot von Plastiktüten: ökonomisch sinnlos – ökologisch sinnvoll?

Handel, Umwelt | 28.10.2019

Der Einsatz von Plastiktüten beim Einkauf ist in Deutschland seit Jahren rückläufg: Aktuell liegt der Pro-KopfVerbrauch bei rund 20 Tragetaschen pro Jahr, 2016 waren es noch 45. Damit hat die Branche im Rahmen einer freiwilligen Selbstverpflichtung die Ziele der EU - 40 Tüten pro Person bis zum Jahr 2025 - deutlich früher erreicht und sogar weit übertroffen. Und ein weiterer Rückgang ist absehbar, da der vermehrte Einsatz von Mehrwegtragetaschen oder gar der freiwillige Verzicht des Verbrauchers auf "unnötige Verpackung" immer gängiger werden. Der Anteil der Kunststofftüten macht laut Bundesumweltministerium weniger als ein Prozent des Plastikverpackungs-Aufkommens aus. Trotz des Erfolgs der Selbstverpflichtung und des eigenverantwortlichen Engagements der Wirtschaft soll nach den Plänen des Bundesumweltministeriums nun ein gesetzliches Verbot von Plastiktüten beschlossen werden.

Alternativen fehlen
Zu der Frage, welche Tragetaschen zukünftig im Handel wirtschaftlich sinnvoll und umweltverträglich eingesetzt werden könnten, gibt es keine Vorschläge. Auch Alternativen, zum Beispiel aus biobasierten Kunststoffen wie etwa Mais oder Zuckerrohr, sollen unter das Verbot fallen. Andere Optionen wie Papiertragetaschen sind in ihrer Umweltbilanz nicht besser als die bisherigen Plastiktüten. Dies gilt insbesondere für laminierte Papiertragetaschen, welche Waren vor Nässe schützen sollen, jedoch nur aufwendig recycelt werden können. Bevor also ein umfassendes Verbot kommen soll, sollte vielmehr eine umfassende Folgenabschätzung in Bezug auf alternative Verpackungsmaterialien vorgenommen werden. Für den Einzelhandel sollte es aber möglich sein, den Kunden weiterhin eine geeignete Transportmöglichkeit für die eingekauften Waren zur Verfügung zu stellen.

Adäquate Übergangsfristen
Bei der Bestellung von individuellen Tragetaschen müssen hohe Mengen abgenommen werden. Der Verbrauch ist aber seit Jahren rückläufg. Deswegen stapeln sich in den Lagern vieler kleiner und mittelständischer Unternehmen noch Plastiktüten in großer Zahl. Die Vorräte reichen nach Angaben der Betriebe für einen langen Zeitraum aus und stellen auch einen erheblichen materiellen Wert dar. Falls es tatsächlich zu einem Verbot kommen sollte, macht es aus ökonomischer und ökologischer Sicht keinen Sinn, diese Bestände zu vernichten. Es muss daher unbedingt eine Lösung gefunden werden, was mit den Restmengen geschehen soll.

Falsches Signal für freiwilliges Engagement
Das vorgesehene Verbot ist nicht verhältnismäßig und sendet in die Wirtschaft die Botschaft "Freiwillige Maßnahmen und Selbstverpflichtungen für den Umweltschutz lohnen sich nicht". Zum langfristigen Abbau des Einsatzes von Kunststoff ist das Verbot von Plastiktüten wenig geeignet. Besser wäre es, den Unternehmen Anreize für Innovationen zu bieten. Während die IHK-Organisation eine effziente Ressourcennutzung und die Schließung von Rohstoffkreisläufen grundsätzlich unterstützt, spricht sie sich deutlich gegen ein pauschales Verbot aus.

(Quelle: Deutscher Industrie- und Handelskammertag)

 

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