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DIHK-Gründerreport 2018

Endlich mehr Gründungsinteresse – Politik muss jetzt liefern

Existenzgründung / Startup | 03.08.2018

Es ist Bewegung im Gründungsgeschehen. Sieben Jahre kannte die Zahl der Unternehmensgründungen in Deutschland nur eine Richtung, nämlich abwärts. Bald könnte es endlich wieder aufwärtsgehen.

In 32 von 79 IHK-Regionen stieg im Jahr 2017 die Zahl der persönlichen Gespräche mit Gründungsinteressierten. Zudem registrieren die IHKs bundesweit einen verstärkten Zulauf zu IHK-Gründertagen, bei denen viele Menschen erstmals mit dem Thema in Berührung kommen (plus zehn Prozent auf 68.380 Teilnehmer). Allerdings manifestiert sich das steigende Interesse an Gründungsthemen noch nicht in mehr konkreten Gesprächen zur Gründung - die Zahl der persönlichen Kontakte zur Existenzgründung ist nochmals gesunken (Rückgang um 2,7 Prozent auf 185.913). Doch immerhin verzeichnen die IHKs bei den IHK-Gründungsberatungen, denen ein konkret ausgearbeitetes Geschäftskonzept zugrunde liegt, ein leichtes Plus um gut ein Prozent (auf 33.889).

Gute Konjunktur macht neugierig - Fachkräftemangel bremst

Die weiterhin gute Konjunkturlage führt in vielen IHK-Regionen offenbar dazu, dass mehr Menschen eine unternehmerische Selbstständigkeit als interessante Alternative sehen. Noch überwiegen allerdings die Bremsfaktoren: Wenn die Idee der unternehmerischen Selbstständigkeit konkreter wird, springen viele Personen wieder ab. Nach wie vor sehen wohl viele eine abhängige Beschäftigung als die unter dem Strich interessantere Option. Gerade in Zeiten zunehmenden Fachkräftemangels und geringer Arbeitslosigkeit steigen die Chancen auf gute Konditionen im Angestelltenverhältnis. Zudem wirkt die Demografie: Die Jahrgänge zwischen 25 und 45 schrumpfen, in denen sich besonders viele gründungsaktive Personen befinden. Es ist daher wichtig, mehr Menschen mit der Idee der unternehmerischen Selbstständigkeit vertraut zu machen.

Weiterhin hohes Gründungsinteresse bei Frauen

Der Anteil von Teilnehmerinnen an der IHK-Gründungsberatung beträgt mittlerweile 44 Prozent - ein neuer Rekordwert. Allerdings beobachten die IHKs auch, dass viele Frauen von ihrem Gründungsvorhaben wieder Abstand nehmen. Viele gründungsinteressierte Frauen berichten den IHKs von großen Herausforderungen bei der Vereinbarkeit von Vollzeit-Erwerbstätigkeit und Familie.

Innovative Start-ups - ungefähr jedes zehnte Vorhaben

Die meisten Gründungen sind im Handel oder in den Dienstleistungsbranchen zu verzeichnen. Neun Prozent wollen in der Informations- oder Kommunikationsbranche (IKT) gründen. Insbesondere hier gibt es viele innovative Start-ups. Aber auch Gründer anderer Branchen nutzen das Know-how von IT-Dienstleistern, wenn sie ein innovatives Start-up gründen wollen.

Digitalisierung von Existenzgründungen - noch Luft nach oben

Unterm Strich sehen die IHKs bei der Digitalisierung der Existenzgründer noch Luft nach oben. Die allermeisten Gründer aus dem IKT-Bereich sind digital sehr gut entwickelt. Allerdings hinken Gründungsprojekte aus Dienstleistungsbranchen, Verkehr und Handel teils deutlich hinterher. Gerade hier eröffnen sich durch die Digitalisierung jedoch viele Chancen, eine größere Kundengruppe digital und zugleich individuell ansprechen zu können.

Fazit: Politik ist am Zuge

Die Erfahrungen der Industrie- und Handelskammern aus mehr als 180.000 Gesprächen mit Gründerinnen und Gründern im Jahr 2017 zeigen: Der Rückenwind für eine Trendwende ist günstig. Jetzt ist die Politik am Zug: Gründerinnen und Gründer brauchen dringend in ganz Deutschland schnelles Internet, weniger Bürokratie, zentrale Anlaufstellen für Behördengänge und E-Government auch in ländlichen Regionen. Ganz wichtig: Das Thema "Unternehmertum" muss nachhaltig im Schulunterricht verankert werden. Hier liegt der wichtigste Hebel für ein gedeihliches Gründungsklima, das wachstumsstarke und innovative Existenzgründungen hervorbringt. So schaffen wir heute die Grundlage dafür, Deutschland fit für Start-ups und den innovativen Mittelstand von morgen zu machen.

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